Dienstag, 4. November 2014

[Rezension] In meinem Himmel - Alice Sebold

In meinem Himmel
Alice Sebold
Taschenbuch, Verlag: Goldmann
Erscheinungstermin: 1. Februar 2005
384 Seiten
ISBN: 978-3-442-45836-3







"Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie. Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde."

Die 14jährige Susie Salmon führt in einer Kleinstadt ein ganz normales Leben, bis sie von einem Vergewaltiger ermodet wird. Doch damit ist Susie nicht einfach weg, sondern sie kommt in ihren eigenen Himmel, von dem aus sie ihr altes Leben beobachten kann. Sie verfolgt mit, wie ihre Familie und Freunde mit ihrem Verschwinden und ihrem Tod umgehen. Beobachtet ihren Vater auf der Suche nach dem Verbrecher, ihre Schwester beim Erwachsenwerden, ihre Mutter auf der Suche nach sich selbst und auch ihren Mörder, in der Hoffnung, dass dieser gefasst wird. Gleichzeitig schafft sie sich in ihrem Himmel ihre eigene Welt, denn sie kann noch nicht Abschied nehmen von ihrem alten Leben..

Ich bin durch den Filmtrailer auf das Buch aufmerksam geworden und wollte mir, bevor ich den Film sehe, vorher unbedingt das Buch durchlesen. Während ich beim Trailer das Gefühl hatte, dass hier viele Effekte und sehr viel unrealistische Elemente vorkamen, hatte ich dies beim Buch überhaupt nicht. Susie ist einfach total überzeugend, ihre Gedanken und Gefühle sind so realistisch und mitfühlend geschrieben, dass ich keinmal an ihr gezweifelt habe.

Das Buch hat mich komplett begeistert. Schon gleich von Beginn an wird dem Leser mitgeteilt, wer Susies Mörder ist. Erst dachte ich, nun wäre das Buch vielleicht nicht mehr ganz so spannend, da man schon genau weiss, welche furchtbaren Dinge Susie wiederfahren sind. Doch das eigentlich interessante an dem Buch ist nicht der Mord, sondern die Reaktion und das Verhalten aller beteiligten Personen. Susies Familie und Freunde reagieren alle unterschiedlich auf ihre eigene Art und Weise, die immer zum jeweiligen Charakter passt. Sie gehen unterschiedlich damit um und werden auch unterschiedlich mit ihrem Tod fertig. Und auch Susies Reaktion selbst und wie sie in ihrem Himmel weiterlebt, gehören dazu. Der Weg von einem grauenhaften Verbrechen zurück zu einer Art Normalität, darum geht es meiner Meinung nach in diesem Buch und dieser Weg ist unglaublich traurig. Er erzählt aber auch von Liebe, Hoffnung und Zusammenhalt.

Susie ist ein Charakter, den man einfach ins Herz schließen muss. Auch die Erzählweise der Autorin sorgt dafür, dass man sie sofort gern hat, mit ihr mitfühlt, ihre Ängste durchlebt. Sie sagt und denkt manchmal Dinge, die nur Kinder in ihrem Alter von sich geben können und dann kommt sie mir wieder total erwachsen vor. Mit diesem Hauptcharakter hat die Autorin einen absolut liebenswerten Menschen geschaffen. Das macht es umso schwerer, dass Susie brutal vergewaltigt und ermordet wurde. Die Autorin hat sich, wie ich finde, an ein sehr schweres Thema gewagt, denn Vergewaltigung und Ermordung von Kindern sind etwas absolut Grauenvolles, über das man nicht leichtfertig ein Buch schreiben sollte. Doch ich finde die Umsetzung perfekt gelöst. Ihre Erzählweise lässt den Leser voll Trauer sein, für die tolle Susie und die schrecklichen Dinge die ihr angetan wurden, lässt einen nachdenken und an mancher Stelle mehr als nur eine Träne vergiessen. Man hat durchgehend ein beklemmendes Gefühl und trotzdem wird einem auch immerwieder etwas gutes vermittelt, die Liebe der Familie.

Wer Spannung erwartet, ist hier an der falschen Stelle. Wer aber tief in seinem Herzen berührt werden will, wer sich nicht davor scheut, eine Geschichte zu lesen, die man nie mehr vergessen wird, für den ist das Buch ein echtes Meisterwerk.



Kommentare:

  1. Ich wollte das auch schon lesen, auch wegen des Trailers :D
    Der Film ist halt von Peter Jackson, da tauchen vermutlich beinahe zwangsläufig phantastische Elemente auf ;-)
    Ich habe es also weiterhin im Blick.

    AntwortenLöschen
  2. Das war ein Buch, das einen ziemlich mitnimmt. Der totale Alptraum jeder Familie. Aber trotzdem einfühlsam erzählt. Ich fand es gut.

    AntwortenLöschen