Montag, 24. November 2014

[Rezension] Die Bienen - Laline Paull

Die Bienen
Laline Paull
Hardcover, Verlag: Klett-Cotta, Tropen
Erschienen am: 17.10.2014
346 Seiten
ISBN: 978-3-608-50147-6













Flora 717 ist eine Biene aus der unteren Schicht ihres Bienenstocks. Daher ist es ihre einzige Aufgabe, den anderen Bienen zu dienen, indem sie ihren Job als Säuberungsbiene gut macht.
Doch schnell stellt sich heraus, dass Flora nicht wie ihre Schwestern ist. Sie ist nicht nur viel größer als alle anderen Floras, sondern kann auch noch sprechen, was sonst nur die höher gestellten Bienen können. Und damit beginnt Floras Geschichte auch schon und ihr Weg von der Arbeit als Säuberungsbiene bis zur Helferin auf der  Geburtenstation, über den Job als eine der mutigen Sammlerinnen und gefährliche Begegnungen mit Wespen und Spinnen. Bis hin zur Geburt eines Eis, das nicht hätte gelegt werden dürfen. Denn nur die heilige Königin darf Eier legen..


Die Geschichte um Flora ist spannend, aber anfangs auch etwas gewöhnungsbedürftig. Ein Buch aus der Sicht der Bienen ist schon etwas, das ich bisher so noch nicht gelesen habe. Anfangs fand ich vieles etwas verwirrend, da ich mich mit Bienen nicht so besonders gut auskenne. Es werden viele verschiedene Stationen des Bienenstocks durchlaufen, die Flora entdeckt und kennenlernt und der Leser mit ihr. Dabei lernt man auf jeden Fall viel über das Leben der Bienen, doch manchmal muss man sich auch etwas zurechtfinden, wo genau man nun im Bienenstock ist, bei diesen vielen Abteilungen die es dort gibt.
Flora selbst ist eine mutige Biene, die eigentlich dazu bestimmt ist, ihr Leben lang nichts anderes zu tun als zu putzen. Doch durch ein paar glückliche Umstände kann sie diesem Job vorerst entkommen und lernt, dass es noch so viel im Bienenstock zu entdecken gibt und das Leben noch viel mehr bietet. Sie ist sehr außergewöhnlich, da sie nicht nur mutig ist, sondern es sogar wagt gegen die Regeln des Stocks zu verstoßen. Im Laufe der Geschichte habe ich sie richtig ins Herz geschlossen und Seite für Seite immer mehr mit ihr mitgefiebert.
Die erste Hälfte des Buches konnte mich noch nicht ganz so überzeugen, doch die zweite Hälfte hat mir wirklich gut gefallen. Das lag aber denke ich vor allem daran, dass es anfangs sehr ungewohnt war diese komplett andere Perspektive zu haben. Man liest ja alles durch die Bienensicht, die an manchen Stellen aber stark vermenschlicht wurde. Manchmal kam mir das Bienenvolk wie eine Sekte vor, mit ihrer starken Liebe zur königlichen Mutter (der Bienenkönigin), die sie über alles anbeten und deren königliche Liebe das schönste Gefühl für sie ist. Ja, sie vergöttern ihre Königin regelrecht. Für sie würden sie alles tun, ganz getreu ihrem Motto "Arbeiten, Gehorchen, Dienen". Das hat mich anfangs etwas gestört, da die lieben Bienen für ihre Herrin jedes Opfer bringen würden. Doch mit der Zeit wird Flora diesbezüglich immer offener. Zwar liebt sie ihre Mutter und ihren Stock, doch sie beginnt auch eigenen Entscheidungen zu treffen. Und je mehr sie das tut, desto spannender fand ich auch ihre Abenteuer. Daher muss ich sagen, dass der Anfang etwas langatmig war, im Laufe der Geschichte jedoch die Spannung immer mehr an Fahrt aufgenommen hat.
Das Spektrum von Nebenpersonen ist sehr breit gefächert. Von der Königin, der heiligen Mutter über die strengen Priesterinnen und die gefährliche Cousine Vespa bis hin zu den eingebildeten Drohnen ist alles vertreten. Man bleibt zu allen leicht distanziert, lernt aber die Vielfalt im Bienenstock kennen und merkt, wie wichtig es für den Job ist, dass es Bienen für all die unterschiedlichen Aufgaben gibt.

Insgesamt würde ich das Buch als Mischung aus langatmigen Anfang, der sich aber spannungsvoll ausbaut, und einer sympathischen Protagonistin, die Mut beweist und für ihr eigenes Glück kämpft, beschreiben. Nachdem ich mich erst mal eingelesen und an die ungewöhnliche Sicht gewöhnt hatte, haben mich Floras Geschichte und besonders Flora selbst sehr begeistert und ich habe die Geschichte bis zum Ende ganz gespannt mitverfolgt. Daher kann ich das Buch auch trotz des nicht ganz so guten Einstiegs trotzdem sehr empfehlen.
Ganz besonders toll ist übrigens die Buchgestaltung, denn unter dem Umschlag versteckt sich ein wunderschön gold geprägter Bienenschwarm. Und allein wegen diesem fantastischen Buchumschlag lohnt sich das Buch schon! ;)

Kommentare:

  1. Hallo Kristin!

    Vielen Dank für deine Rezension zu diesem Buch! Ich kenne es zwar noch nicht, aber es macht mich neugierig, mich mal mit dem Thema zu beschäftigen. Was ich von Bienen derzeit weiß, steht irgendwo zwischen Biene Maja und verschiedenen Umweltschutz-Organisationen, die allesamt schreiben, dass die Bienen vom Aussterben bedroht sind ... Und ich gebe zu, ich mag Bücher, die einem auf unterhaltsame Weise Wissen vermitteln - das ist wohl auch der Grund, warum ich ein Fan von historischen Romanen bin :). Warum nicht gleichzeitig etwas lernen und sich gut unterhalten lassen? Sachbücher sind für mich oft schwer, weil sie so trocken geschrieben sind, dass man darüber am liebsten einschlafen würde :(.

    Liebe Grüße
    Maria

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    1. Freut mich, dass dir meine Rezension gefallen hat und dich neugierig gmacht hat. So geht es mir auch immer, normale Sachbücher sind mir oft zu langweilig, aber verpackt man die Infos in eine tolle Geschichte, lernt man wirklich noch was dazu. Mir war vor dem Buch gar nicht bewusst, wie schwer die kleinen Bienchen für ein bisschen Honig arbeiten müssen und wie hart das Leben für sie ist mit so vielen Gefahren. Da hat sich das lesen auf jeden Fall gelohnt! :)
      Liebe Grüße!

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