Dienstag, 3. November 2015

[Rezension] Margos Spuren - John Green

Margos Spuren
John Green
Taschenbuch, Verlag: dtv
Erschienen am: 01.07.2015
336 Seiten
ISBN 978-3-423-08644-8
Leseprobe 












Quentin ist schon lange in die tolle, unglaubliche Margo Roth Spiegelman verliebt. Früher seine Kindheitsfreundin ist sie jetzt das coolste Mädchen der Schule und damit für ihn unerreichbar. Doch als sie eines Abends an seinem Fenster klopft und ihn bittet, ihr bei ein paar Streichen zu helfen, scheint er seiner Freundin aus Kindheitstagen endlich wieder näher. Während er mit ihr Dinge erlebt, die er selbst nie unternommen hätte, steigt seine Bewunderung für die unglaublich coole, mutige und kreative Margo umso mehr, gleichzeitig wird sie aber auch immer geheimnisvoller und er stellt sich die Frage, wer sie eigentlich ist. Besonders als sie plötzlich verschwindet und eine Reihe von Spuren hinterlässt, die Quentin zu ihr führen könnten. Zusammen mit seinen Freunden macht er sich auf die Schuhe nach ihr und darauf, wer die wahre Margo ist.

John Green, hochgelobter Bestsellerautor. Ja, endlich habe auch ich ein Buch von ihm gelesen. Und ich war damit enttäuscht und glücklich zugleich. Vielleicht lag es daran, dass ich einfach so unglaublich viel erwartet hatte. Ein Buch, das mich total mitreißt, das mich begeistert, das mich verzaubert. Und insgesamt war es dann auch wirklich gut, aber eben gut und nicht unglaublich gut, wie ich es mir erhofft hatte.

Den ersten Teil des Buches fand ich gelungen. Während Margo und Quentin umherziehen und Margos kleine Racheaktionen ausführen, bei denen sie einigen Leuten Streiche spielt, die es ganz schön in sich haben, kam richtig gute Stimmung auf. Ich hatte als Leser richtig Spaß mit den beiden. Quentin, den ich sehr sympathisch finde, kam durch Margos Art aus sich heraus und hat mit ihr Dinge unternommen, auf die er selbst so im Traum nicht gekommen wäre. Allerdings merkt man hier schon, dass Margo einen sehr komplizierten Charakter hat und keine ganz einfache Person ist. Im Vordergrund stehen aber dennoch die Erlebnisse von ihr und Quentin und so konnte ich noch gemeinsam mit den beiden Abenteuer erleben und fand das Buch gut.

Ab dem Moment, in dem Margo jedoch verschwindet und Quentin sie verzweifelt sucht, war das Buch dann leider für mich nicht mehr ganz so toll wie am Anfang. Meine fehlende Sympathie gegenüber Margo wurde immer stärker und ich hatte sehr viel Mitleid mit Quentin, den ich wirklich toll fand. Ich konnte mich an sehr vielen Stellen mit ihm identifizieren und sein Gefühl, anders zu sein und nicht so richtig zu wissen, wo man hingehört, durchaus nachvollziehen. Ich hätte ihm einfach so gerne eine liebe, nette und unkomplizierte Freundin gewünscht, anstatt diese ganze Suche für die er viele Dinge aufgibt. Dieser Teil zog sich für mich oft in die Länge, auch wenn mir der Schreibstil von John Green sehr, sehr gut gefallen hat, aber die Suche nach einem Mädchen, das ich sowieso nicht besonders leiden konnte, war für mich einfach wenig spannend. Die Geschichte zog und zog sich und Margo war immer noch so weit entfernt..

Gegen Ende hin jedoch habe ich dann aber gemerkt, dass das eigentliche Hauptthema gar nicht die offensichtliche Suche nach Margo ist, sondern die Suche, die sich dahinter verbirgt -  nämlich die Suche nach sich selbst. Während Quentin Margo sucht, von der er immer weniger weiß, wer sie  eigentlich ist und ständig herausfindet, dass sie so viele Facetten hatte, dass jeder eine andere Margo gekannt zu haben scheint, lernt er auch sich selbst kennen und wie ihn die Menschen wahrnehmen. Und dieser Punkt in dem Buch, das eigene Kennenlernen und das von anderen Menschen, hinter die Fassaden zu schauen, herauszufinden wie man sich selbst sieht, wer man sein möchte und sich selbst so zu akzeptieren, das alles fand ich eine unglaublich tolle Botschaft. Und plötzlich war mir auch Margo gar nichtmehr so unsympathisch, sondern tat mir leid, dass sie im Gegensatz zu Quentin nicht recht zu wissen schien wer sie eigentlich ist.

Dieses Ende fand ich fantastisch. Den Anfang gut. Nur der Mittelteil zog sich für mich so sehr hin, auch wenn das vielleicht nötig war, um letztendlich auf dieses tolle Ende und die Botschaft des Buches hinaus zu arbeiten. Trotzdem fiel es mir stellenweise einfach schwer, begeistert das Buch zu lesen und daher kam dann auch die Enttäuschung, dass es kein ganz so perfekter Roman war, wie erwartet. Doch das Ende, auch der Anfang, und auch die Botschaft dahinter, das Gefühl, mit dem einen das Buch zurücklässt, machen das Buch für mich auf jeden Fall dennoch zu etwas ungewöhnlichem. Und im Nachhinein bin ich sehr froh, es gelesen zu haben. Daher kann ich es trotzdem sehr empfehlen, es ist einfach etwas Besonderes.

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